25 September 2006

Revolutionäre Erkenntnis: Irak-Krieg hat Terror gestärkt!


Quelle: Mr. E. (cc)

Manchmal dauert es halt ein bisschen mit dem Wissenstransfer. Die New York Times berichtet nun auch in den USA offen darüber, was die restliche Welt schon seit Jahren zuerst nur befürchtet und dann allabendlich auch im Fernsehen und in unzähligen Expertengesprächen wahrgenommen hat: Die US-Invasion des Iraks hat die Terrorgefahr vergrößert!
Spy Agencies Say Iraq War Worsens Terror Threat

WASHINGTON, Sept. 23 — A stark assessment of terrorism trends by American intelligence agencies has found that the American invasion and occupation of Iraq has helped spawn a new generation of Islamic radicalism and that the overall terrorist threat has grown since the Sept. 11 attacks.

The classified National Intelligence Estimate attributes a more direct role to the Iraq war in fueling radicalism than that presented either in recent White House documents or in a report released Wednesday by the House Intelligence Committee, according to several officials in Washington involved in preparing the assessment or who have read the final document.

The intelligence estimate, completed in April, is the first formal appraisal of global terrorism by United States intelligence agencies since the Iraq war began, and represents a consensus view of the 16 disparate spy services inside government. Titled “Trends in Global Terrorism: Implications for the United States,’’ it asserts that Islamic radicalism, rather than being in retreat, has metastasized and spread across the globe.

An opening section of the report, “Indicators of the Spread of the Global Jihadist Movement,” cites the Iraq war as a reason for the diffusion of jihad ideology.

The report “says that the Iraq war has made the overall terrorism problem worse,” said one American intelligence official. [...]

Nun, ganz dezent soll hier verwiesen werden, dass auch der kleinere britische Koalitionspartner letztes Jahr deutlich auf dieses Faktum darauf hingewiesen wurde ("Terror 'is the price we paid for going to war'). Helfen und ändern wird's wohl weiterhin nichts. Ein Problem: Fundiertes Wissen bedeutet noch lange nicht, dass Politiker dieses auch wahrhaben wollen. Da sind die Antworten von Dr. Emile A. Nakhleh, dem ehemaligen CIA-Director des Political Islam Strategic Analysis Program (O-Ton: the intelligence community's premier group dedicated to the issue of political Islam) auf fünf zentrale Fragen zur USA, Islam und Terror wie ein Licht der Vernunft in der Bush'schen Dunkelheit. Dumm nur, dass der Herr Dr. erst nach seiner Pensionierung öffentlich seine Positionen vertritt und so vor allem einen Einblick erlaubt, wie die CIA-Experten während der letzten Jahre wohl an ihren Volksvertretern verzweifelt sind.

Von daher gibt es hier einen praktischen Hinweis: 7 Habits of Highly Effective Imperialists.

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11 September 2006

9/11-Verschwörungen - es reicht


Quelle: KidneyNotes (cc)

Passend zum 5. Jahrestag gibt es an dieser Stelle keine ausgefeilte Beschäftigung mit den unzähligen 9/11-Verschwörungen en detail, die inzwischen das Internet kolonisiert haben und von dort aus ab und zu ihren Weg in die etablierten Medien schaffen. Keine ausführlichen Kommentare zu den aktuellen Verschwörungsmoden oder den abstrusen und verqueren Forums-Beiträgen bei einem vom heise-Verlag verantworteten Kasperletheater-Magazin, kein eigener Kommentar zum Teenie-Streifen "Loose Change" (wer kritisch einsteigen will, findet hier schon genügend Stoff zum Nachdenken). Nur einen Verweis auf diesen Cartoon will ich mir nicht ersparen.

Es bringt schlicht und ergreifend nichts.

Jede Generation hat seit der französischen Revolution ihre typische politische Verschwörungstheorie und muss irgendwie damit klarkommen. Freimaurer, Illuminaten, Weltjudentum, Schwarze, Weiße, Militärs, Geheimdienste, Außerirdische usw. In früheren Zeiten beschäftigte man sich mit der Ermordung Martin Luther Kings, Marylin Monroes Tod, dem Attentat auf John F. Kennedy, dem Ufo-Absturz bei Roswell, in Deutschland mit der RAF und der angeblichen Ermordung einiger Top-Terroristen durch den Staat in Stammheim - einer der damaligen Verschwörungstheoretiker wurde bekanntlich späterer deutscher Innenminister -, der Ermordung Uwe Barschels und Olof Palmes, der Entstehung von AIDS, dem Tode des 33-Tage-Papstes Johannes Pauls I. und dem Attentat auf seinen Nachfolger und die Rolle östlicher Geheimdienste, dem Flugzeugabsturz bei Ustica, der Tod Lady Dianas usw.

Politische Extremisten von Links und Rechts waren schon immer daran interessiert, "hinter die Kulissen der Weltpolitik" zu schauen und ihrem zumeist belanglosen Leben und ihrer politischen Insignifikanz einen Sinn zu geben. Inzwischen gibt es das Internet, was nicht nur jedem Wirrkopf eine Plattform bietet, sondern auch kulturelle Eigenheiten, ohne die man von einer neutralen Warte aus die Entstehung von Verschwörungen gar nicht angemessen nachvollziehen kann, komplett einebnet. So ist das in den USA weit verbreitete Misstrauen gegenüber einer fernen Regierung und der Lobpreisung des Individualismus nicht nur dafür verantwortlich, dass man lieber auf bessere Sozialleistungen und ein abgesichertes Leben verzichtet, sondern auch der Quell für vielerlei Regierungs-Verschwörerisches. Eine gewisse Klientel von zumeist männlichen, jugendlichen und äußerst technik- und naturwissenschaftlich affinen Hobbyanalysten ist neu hinzugetreten und erweitert mit ihrer sehr einseitigen analytischen Weltsicht und sozialwissenschaftlich mehr als naiven Erklärungsansätzen die Szene.

Wie gesagt, alles Aufklären hilft nicht. Man muss selbst einsehen, wie problematisch die meisten dieser Theorien sind und, vor allem, warum sie so verdammt überzeugend und intellektuell faszinierend sein können. Den Weg dahin muss jeder selbst gehen, in dem er versucht, aller Begeisterung zum Trotz eine möglichst neutrale Position im Kopf zu behalten, und die richtigen Fragen stellt.

Nur einige Denkansätze:
  • Die meisten Verschwörungstheoretiker beschäftigen sich primär damit, wie wahrscheinlich die sog. "offizielle" Darstellung eines Ereignisses ist und stellen sehr schnell fest, dass einige Merkwürdigkeiten auftauchen, worauf sie sich auf die Suche nach Alternativerklärungen machen, die plötzlich deutlich besser "passen". Und sie eröffnen neue Möglichkeiten, was "wirklich" hinter einem Ereignis steckt; bohrt man weiter nach, dann passen auf einmal weitere Mosaikstücke zusammen usw. Man erlebt so bei der eigenen Recherche ein faszinierendes Evidenz-Erlebnis. Dieses wird im Lauf der Zeit immer stärker, weil die weitere Beschäftigung mit alternativen Erklärungen zu immer neuen Querverbindungen, Personen und Ereignissen führt und die Verschwörung anscheinend immer komplexer und bedrohlicher wird. Gleichzeitig stützen diese neuen Befunde anscheinend die bisherigen Vermutungen.
    Das Problem an dieser Herangehensweise ist fundamental für die Beschäftigung mit Verschwörungstheorien: Die subjektive Plausibilität und Überzeugung von Verschwörungen hat nichts mit ihrer Wahrscheinlichkeit zu tun. Jede "offizielle" Darstellung besitzt immer und überall Fehler, ist unvollständig oder wirft Fragen auf, nur bemerken wir diese Fehler normalerweise nicht, weil wir nicht genauer hinschauen. Auf der Basis dieser "Fehler" gefundene Alternativerklärungen sind dann selbstverständlich deutlich plausbiler als die ursprüngliche, was aber erst einmal nur daran liegt, dass sie auf der Basis der realen Ereignisse aufgebaut sind. Für eine realistische Abschätzung müsste man aber berücksichtigen, wie wahrscheinlich das konstruierte Szenario tatsächlich war, wie fehlertolerant seine Durchführung, wie wahrscheinlich seine vorzeitige Entdeckung usw. Das geschieht so gut wie nie.
  • Einer der Gründe hierfür liegt in dem völligen Fehlen von empirischem Wissen über die Arbeitsweise und die Fähigkeiten von Regierungen, Militärs oder Geheimdiensten. Diese sind in den meisten Verschwörungstheorien omnipotent und können alles, können jeden mundtot machen usw. Das ist natürlich völliger Unsinn, wenn man sich die realen politischen Ereignisse ansieht, in denen sie verwickelt sind oder selbst einmal in einer Behörde gearbeitet hat. Der Witz ist: Diese Omnipotenz ist eine zwingende Folge der methodischen Vorgehensweise, sich "seine" Theorie auf der Basis der realen Ereignisse zu konstruieren. Man "deckt" nicht im Laufe der Zeit die realen Abläufe auf, sondern konstruiert sich eine immer komlizierter werdende Story, in der die beteiligten Akteure immer verbogener und mächtiger werden müssen.
  • Ein damit zusammenhängendes Problem besteht in der Mehrdeutigkeit von Handlungen. Die meisten "Forscher" interpretieren das Verhalten von Akteuren wie Regierungen, Geheimdiensten usw. in ihrem Sinne und bauen darauf ihre Kritik auf. Aber eine Handlung kann viele Gründe haben. Sucht man nach Bestätigungen, dann darf man sich nicht alleine auf bestätigende Handlungen verlassen. Wenn ein Geheimdienst Seiten in einem Bericht schwärzt, dann ist das nur dann verräterisch, wenn man nicht weiß, dass er das üblichwerweise immer und überall tut. Auch hier ist es wichtig, die logischen Schlüsse aus den vermuteten Gründen zu ziehen und nach möglichen Handlungen zu suchen, die diesen Gründen und Absichten entsprechen oder widersprechen würden.
  • Die wenigsten "Laienforscher" haben jemals in ihrem Leben selbst anspruchsvoll geforscht und die Erfahrung gemacht, wie umstritten üblicherweise historische Vorgänge in der akademischen Forschung sind, wie lange es dauert, bis sich hier ein Konsens bildet, wie verdammt mühsam die Recherchen und Debatten zu einem Thema sind, wie man kritisch mit Quellen umgehen muss, welche Fallstricke hier lauern, wie unheimlich stark die Selbsttäuschung ist, wie viele unterschiedliche Meinungen es immer gibt, wie so gut wie alles hinterfragt werden kann usw. Der Eindruck von simplem Schulbuchwissen, nach dem es immer und überall eine "offensichtliche" Deutung von Ereignissen gibt - eine Wahrheit, die "da draußen" ist - ist komplett naiv - die Debatten, die zu diesem Wissen geführt haben, finden sich nicht in Schulbüchern. Das wichtigste Verfahren zur Wahrheitsfindung ist deswegen ausdrücklich nicht eine möglichst engagierte Herangehensweise, sondern die möglichst häufigste Kritik mit den möglichst schärfsten Kritikern.
  • Die Frage nach der Plausibilität einer Verschwörung ist wenig hilfreich. Es geht nicht darum, was alles noch für eine Verschwörung sprechen würde, sondern was deutlich dagegen! Den meisten "Forschern" ist gar nicht bewusst, dass sie faktisch immer mit allen möglichen zukünftigen Entwicklungen leben können, weil diese mit ihrer Verschwörung vereinbar sind. Somit stützen sie auf jeden Fall ihre Ansichten, bringen sie aber den tatsächlichen Ereignissen keinen Schritt weiter. Erst wenn klar ist, was einen Verschwörungstheoretiker dazu bringen würde, seine eigenen Ansichten zu verwerfern, dann kann er in diese Richtung seine Anstrengungen bündeln.
  • Kritiken in Medien an Verschwörungstheorien sind meistens deswegen unglaubwürdig, weil sie deutlich einfacher gestrickt sind als die eigentlichen komplizierten und wohldurchdachten Theorien. Solche Beiträge sind oft sehr simpel, gehen nicht auf Details ein und nehmen meistens die Autoren nicht ernst oder unterstellen ihnen politische Radikalität. Das ist psychologisch verständlich, aber die Wahrheit einer Behauptung hat nichts mit dem psychologischem Gefühl von Komplexität zu tun. Journalisten, die wenig Sinn in der ernsthaften Beschäftigung mit einem Thema sehen, schreiben schlechte Artikel. Das ist bedauerlich, aber daraus den Schluss zu ziehen, das würde die Verschwörung an sich stützen, ist komplett unzulässig.

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08 September 2006

Codename "Anabasis" - CIA und Kriegsprovokation


Quelle: Mr. E. (cc)

Man ist ja als Europäer von den Amis so einiges gewohnt - z. B. geheime CIA-Gulags, in denen Terror-Verdächtige mal eben so von der Bildfläche verschwinden und dort mittels "alternativer Prozeduren" wie dem sog. "waterboarding" effizient gefoltert verhört werden. Das wussten die Europäer zwar schon seit Jahren und haben auch ganz offiziell und dezent immer einmal wieder darauf hingewiesen. Gekümmert hat es bekanntlich die Bush-Administration wenig.

Jetzt kommt ein neues, äußerst befremdliches Detail des unseligen Irak-Kriegs ans Licht. Der "Guardian" berichtet in "Book says CIA tried to provoke Saddam to war" über ein neues Buch, in dem Details über eine im Februar 2002 von Bush genehmigte und für Anfang 2003 geplante, aber dann doch nicht in die Tat umgesetzte Kriegsprovokation der US-Regierung enthüllt werden. Unter dem Codenamen "Anabasis" sollten von der CIA trainierte und eingeschmuggelte Exil-Iraker einen irakischen Militärflugplatz - keinen Radiosender - besetzen und eine "Revolte" gegen Saddam Hussein ausrufen. Die CIA rechnete damit, dass der irakische Diktator seinerseits zurückschlagen würde und dabei die Überflugszonen verletzten würde; der ideale Vorwand für eine militärische Invasion:
"The idea was to create an incident in which Saddam lashes out," John Maguire, a CIA agent who ran the operation told the authors, adding that if the plan worked "you'd have a premise for war: we've been invited in".

Letzlich entschied sich General Tommy Franks, der die tatsächliche Invasion im März 2003 befehligte, dagegen. Trainiert wurde übrigens angeblich "at an energy department nuclear test site, 65 miles northwest of Las Vegas". NTS oder Area 51?

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02 September 2006

Die mächtigste Frau der Welt


Quelle: Eric Draper, Director of the White House Photo Office (Public Domain)

Die laut Forbes mächtigste Frau der Welt zusammen mit dem mächtigsten Mann der Welt:

Merkel's key strength: unassuming and tireless networking. Merkel "sees her role to be a broker," says Jones of Medley Global Advisors.

Merkel's subtle arm-twisting is working. Germany's stagnant economy is now showing signs of revival. Merkel was the driving force behind the compromise between the U.K. and France on the European Union budget fight last December.

In addition, Merkel allied Germany with the U.S. to oppose Iran's nuclear activities, and she was vocal on energy security at the G8 summit meeting this summer, where she was the only female leader at the table.

Merkel's scientific training (she was a physicist) also comes in handy.

"She is focused on technology, innovation and competition," interests that by their very nature often necessitate collaboration, says Dr. Norbert Walter, chief economist of Deutsche Bank Group. Walter adds Merkel "is not interested in defending typical vested interest groups."

Nicht unerwähnt soll bleiben, wen Merkel als ihr politisches Vorbild ansieht: Katharina die Große. Merkels Schreibtisch ziert ein Bild der russischen Zarin, was schon diverse Deutungsonkel (hier oder hier) erfreut hat. Wer braucht da noch ein künstlich herbeigeschriebenes Feminismus-Revival mit peinlicher fraulicher Betroffenheitsprosa und altbackenem Kampfhennen-Geblubbere ("sexistische Elaborate"). Sorry Ladies aus der gehobenen Mittelschicht und den pädagogisch-geisteswissenschaftlichen Abschlüssen; wenn ihr euch wegen der mehr als bescheidenen literarischen Ergüsse von Eva Herrmann gegenseitig zerfleischen wollt, dann tut das nur, ihr bestätigt damit sämtliche altbackenen Vorurteile, so von wegen andere Gehirnstruktur, Stutenbissigkeit und weiblichem Konkurrenzneid.

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31 August 2006

Reiter der Apokalypse


Quelle: US Department of Defense

Religiöse Fundamentalisten stellen mit Sicherheit eine große Gefahr für den Weltfrieden dar. Einer von ihnen heißt John Hagee und würde wohl am liebsten Iran sofort mit einem amerikanischen Nuklearschlag vorsorglich vernichten, um die Wiederkehr Jesus' schneller herbeizuführen. Langsam wird man auch in Deutschland auf solche religiösen Politclowns aufmerksam:
Der 66-jährige John Hagee stammt aus Texas und leitet in San Antonio eine Megakirche mit 18.000 Mitgliedern. Hagee hat Israel mehr als 20 Mal besucht und würzt seine Predigten gern mit biblischen Endzeit-Prophezeiungen. In seinem jüngst erschienenen Buch Jerusalem Countdown stützt er sich auf Informationen, die er von israelischen Geheimdiensten erhalten haben will. Sie hätten ihm offenbart, dass Teheran noch vor dem 6. Oktober 2006 im Besitz einer Atombombe sein werde und dass al-Qaida plane, Amerika mit sieben Nukes in die Knie zu zwingen. George Bush kommen solche Horror-Geschichten gelegen, ein Empfang der "Vereinigten Christen für Israel" im Weißen Haus fiel überaus herzlich aus.
Das wirre Weltbild des durchgeknallten Christenmannes lässt dabei insbesondere Europäer als zukünftige Lakaien des Antichristen ziemlich alt aussehen:

When addressing audiences receptive to Scriptural prophecy, however, Hagee welcomes the coming confrontation. He argues that a strike against Iran will cause Arab nations to unite under Russia's leadership, as outlined in chapters 38 and 39 of the Book of Ezekiel, leading to an "inferno [that] will explode across the Middle East, plunging the world toward Armageddon." In Hagee's telling, Israel has no choice but to strike at Iran's nuclear facilities, with or without America's help. The strike will provoke Russia -- which wants Persian Gulf oil -- to lead an army of Arab nations against Israel. Then God will wipe out all but one-sixth of the Russian-led army, as the world watches "with shock and awe," he says, lending either a divine quality to the Bush administration phrase or a Bush-like quality to God's wrath.

But Hagee doesn't stop there. He adds that Ezekiel predicts fire "upon those who live in security in the coastlands." From this sentence, he concludes that there will be judgment upon all who stood by while the Russian-led force invaded Israel, and issues a stark warning to the United States to intervene: "Could it be that America, who refuses to defend Israel from the Russian invasion, will experience nuclear warfare on our east and west coasts?" He says yes, citing Genesis 12:3, in which God said to Israel: "I will bless those who bless you, and I will curse him who curses you."

To fill the power vacuum left by God's decimation of the Russian army, the Antichrist -- the head of the EU -- will rule "a one-world government, a one-world currency and a one-world religion" for three and a half years. (Hagee adds that "one need only be a casual observer of current events to see that all three of these things are coming into reality." The "demonic world leader" will then be confronted by a false prophet, identified by Hagee as China, at Armageddon, the Mount of Megiddo in Israel. As they prepare for the final battle, Jesus will return on a white horse and cast both villains -- and presumably any nonbelievers -- into a "lake of fire burning with brimstone," thus marking the beginning of his millennial reign.

Hagee doesn't fear a nuclear conflagration, but rather God's wrath for standing by as Iran executes its supposed plot to destroy Israel. A nuclear confrontation between America and Iran, which he says is foretold in the Book of Jeremiah, will not lead to the end of the world, but rather to God's renewal of the Garden of Eden. But Hagee is ultimately less concerned with the fate of Israel or the Jews than with a theocratic Christian right agenda. When Jesus returns for his millennial reign, he tells his television audience, "the righteous are going to rule the nations of the earth When Jesus Christ comes back, he's not going to ask the ACLU if it's all right to pray, he's not going to ask the churches if they can ordain pedophile bishops and priests, he's not going to ask if it's all right to put the Ten Commandments in the statehouses. He's not going to endorse abortion, he's going to run the world by the word of God The world will never end. It's going to become a Garden of Eden, and Christ is going to rule it." (Hervorhebungen nicht im Original)

Dummerweise befindet er sich nicht in einer geschlossenen Anstalt, wo man in solchen Fällen heutzutage professionelle Hilfe leisten könnte. Auch wenn nur eine Minderheit der Amerikaner solchen Kindergarten-Theologien anhängt: Bis zu einem Viertel aller US-Bürger, so Schätzungen des Pew Research Center, sind Evangelikale und glauben an die wortwörtliche Auslegung der Bibel - auch daran, dass der Showdown zwischen Gut und Böse in Israel stattfinden muss. Die "Road Map" führt nach Armageddon...

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28 August 2006

Deutsche Wanzen in britischen Mülltonnen?


Quelle: Northwestern University

Die britische Presse, etwa die Daily Mail, hat mal wieder einen echten Hammer aufgedeckt: "Germans plant bugs in our wheelie bins". Mülleimer werden heimlich mit Überwachungschips ausgestattet und die an den Tonnendeckeln installierten Chips sollen die Informationen "über den Inhalt der Mülltonnen" zu einer zentralen Datenbank schicken(!), welche, wie die Zeitung vermutet, somit die Abfall-Gewohnheiten der Haushalte aufzeichnet. Auf die Idee mit dem Überwachungs-Spion, der aus der Mülltonne kam, wäre man ja selbst die Kommunisten in Russland nicht gekommen. Und wer steckt selbstverständlich dahinter - richtig die Krauts!

Ach, wie herrlich. Und deutsche Medien übernehmen die Story mal wieder sofort, z.B. beim Spiegel und der Tagesschau: Angeblich seien 500.000 Mülltonnen ohne Wissen der Bürger heimlich verwanzt und die Empörung groß. Fundierter berichten dagegen heise online und - wen wundert's - quintessenz.

Nun ja, ob man sich in einem Land, in dem es inzwischen wohl mehr öffentliche Überwachungskameras als Bewohner gibt und man Altbatterien wegen Antiterrormaßnahmen nicht öffentlich sammelt, über den sog. Müllschnüffer-Chip Sorgen machen muss, sei dahingestellt. Dass die Briten so ziemlich das europäische Schlusslicht in Sachen Recycling sind, sei hier ebenfalls nur am Rande erwähnt. Die Story ist im Übrigen auch so weder neu noch richtig: Tatsächlich wurden zwei ältere Geschichten zusammengemixt (Times vom Oktober 2004 und Guardian vom Februar 2005). Ansonsten ist die ganze Sache - meiner Meinung nach - relativ harmlos und ein vergleichbares System ist auch schon in Teilen Deutschlands seit etwa zehn Jahren im Einsatz. Im Übrigen gibt es in "grünen" Teilen Deutschlands den merkwürdigen Beruf des Müll-Sheriffs (z.B. hier oder hier oder hier), der den Abfall ganz ohne Elektronik kontrolliert. Wie richtige Müllüberwachung der Biotonne mit dem elektronischen "Müllsheriff" aussieht, erfährt man hier.

Und was haben die Deutschen mit den Müllproblemen und den Entscheidungen der Engländer zu tun? Weit unter der Überschrift schreibt die "Daily Mail":
Two German firms are in the forefront of companies cashing in on selling and fitting the wheelie-bin sensors: Hamburg-based Sulo operates in Crewe, Nantwich, Peterborough, South Norfolk and Woking, while rival Deister Electronic, whose headquarters are near Hanover, has been hired to tag bins in the Devizes area of Wiltshire.

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27 August 2006

Fahnen-Neid


Quelle: Arne Müseler (cc)

Es gibt kulturelle Unterschiede, fremde Sitten und Gebräuche... und politisch völlig durchgeknallte Gesetze bzw. Vorschriften. Außerdem findet sich immer und überall ein Schwachkopf, der seinen Verstand beim Betreten eines Gebäudes an der Garderobe abgibt, speziell wenn es um den Sinn und die Angemessenheit von Maßnahmen geht.

And now for something completely different:
Teacher showing foreign flags put on leave
Jeffco leaders say the state bans the banners, even in geography class, when they are not part of the lesson.
By Karen Rouse
Denver Post Staff Writer

A seventh-grade geography teacher who refused to remove Chinese, Mexican and United Nations flags from his classroom was placed on paid administrative leave Wednesday by Jefferson County officials who were concerned that the display violates the law.

District officials said state law forbids the display of foreign flags unless they are temporary and related to the curriculum.

Carmody Middle School principal John Schalk looked at the curriculum for Eric Hamlin's world geography class "and there was nothing ... related to any of these countries," said Lynn Setzer, district spokeswoman.

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25 August 2006

Demographische Panikmache


Quelle: bullish1974 (cc)

Schreckensmeldungen wirken besonders bedrohlich, wenn mit vermeintlich handfesten Zahlen und Statistiken herumjongliert wird. Allerdings verfügen die meisten populären Autoren wie ihre Leser bestenfalls über die Mathematikkenntnisse eines Oberstufenschülers. Bestes Beispiel hierfür sind die mehr als fragwürdigen Alarmmeldungen über die angeblich drohende demographische Katatstrophe in good old Germany.

Konkret wollte ein bestimmter FAZ-Schöngeist, der Germanistik, Anglistik, Literatur und Philosophie studiert hat, noch einmal einen echten Bestseller landen. Daran ist natürlich nichts auszusetzen, allerdings dürften die wenigsten seiner Leser wissen, dass schon sein Vorgängerwerk beim fachkundigen Publikum auf wenig Gegenliebe gestoßen war und entsprechend hart die medial kaum wahrgenommene Kritik am neuen Buch (z.B. hier) ausfiel. Was dann kam, kennt man allerdings nur zur Genüge. Jede publizistische Pappnase hängt sich an den allgemeinen Trend, ein großes Boulevardblatt spekuliert über das Aussterben der Deutschen spätestens im Jahre 2300, Politiker geben zumeist belangloses Zeugs von sich, und der mit der Materie vertraute Leser hofft, dass bald die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird bzw. dass der eine oder andere Leser gelassen Erich Kästners "Patriotische Bettgespräche" liest.

Anscheinend ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, dass man sich einmal in Ruhe mit der Materie befasst. Seriöse Schätzungen gab es übrigens schon im Jahre 2003, als das Statistische Bundesamt seine 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für das Jahr 2050 (!) vorstellte (PDF). Demnach wird die Bevölkerungszahl im Jahre 2050 zwischen 67 und 81 Millionen betragen. Zur Erinnerung: Ende 2000 hatte Deutschland 82,3 Millionen Einwohner und damit etwa 22,5 Millionen mehr als kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. "Der Spiegel" - keineswegs populistischem Alarmismus abgeneigt - stellt kurz und schmerzlos die Fakten zusammen. Da haben auf einmal nicht mehr 40 Prozent aller Akademikerinnen keine Kinder mehr, sondern schätzungsweise nur 25 (was "Die Zeit" allerdings schon vor einem Jahr richtig stellte), und mit dem deutschen Schlusslicht in Sachen Fertilität ist's auch nicht weit bestellt. Man kann es nicht of genug wiederholen:
"Auch für die Sozialsysteme führten wachsende Zahlen an Rentnern und eine schrumpfende junge Generation nicht automatisch zum Kollaps. Problematischer für die Sozialkassen sei die hohe Arbeitslosigkeit."

So ist es heute und vermutlich auch im Jahre 2050 mit kontinuierlich an veränderten Arbeitsmärkten angepassten Sozialsystemen: Der demografische Wandel - vom Gespenst und Mythos zur Chance (PDF). Und um an dieser Stelle gleich beliebtes linkes bzw. rechtes "Allgemeingut" in Frage zu stellen: Weder ein forcierter Zuzug von Ausländern (kritisch: PDF) noch eine "gesteigerte Gebährleistung" einheimischer Frauen (kritisch: PDF) kann nach Meinung seriöser Ökonomen einen substanziellen Beitrag zum Rentensystem leisten. Nichts gegen Ausländer und Frauen mit Kindern - vermutlich haben wir von beiden Gruppen zuwenig in einem modernen Deutschland. Aber bitte nicht als angebliche "Notwendigkeiten" ideologischer Politik. Das ist nicht nur ziemlich zynisch, sondern funktioniert so nicht.

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